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Fortbildung "UV-bedingte Hauterkrankungen" startete in Graz
Im Rahmen der ersten Fortbildungsveranstaltung zu UV-bedingten Hauterkrankungen präsentierten die eingeladenen Expertinnen und Experten am vergangenen Mittwoch wertvolle Informationen. Wir möchten Ihnen die wichtigsten Punkte aus dem Vortrag von Herrn Dr. Clemens Dobusch (Facharzt für Radiologie; Arbeitsmediziner AUVA) mit dem Titel „VGÜ-Untersuchung sicher umsetzen“ zusammenfassen.
Die VGÜ-Untersuchung sicher umsetzten – Leistungsumfang, Kostenträger und BK-Meldung
Outdoor-Beschäftigte sind in Österreich je nach Tätigkeit erheblichen Belastungen durch Hitze und natürliche UV-Strahlung ausgesetzt. Die Veranstaltung beleuchtete die rechtlichen Grundlagen, praktische Präventionsmaßnahmen sowie arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen im Rahmen der freiwilligen Gesundheitsüberwachung nach § 51 ASchG.
Ein zentraler Punkt war der gesetzliche Rahmen der Hitzeschutzverordnung und des UV-Schutzes. Während Hitzeschutzmaßnahmen insbesondere ab Hitzewarnstufe 2 relevant werden, kann UV-Schutz je nach Tätigkeit und Umgebung auch ganzjährig erforderlich sein, etwa in Höhenlagen oder bei stark reflektierenden Flächen. Der UV-Index dient dabei als wichtige Orientierung für die Maßnahmenplanung. Nach internationaler Empfehlung sind Schutzmaßnahmen bereits ab UV-Index 3 sinnvoll, in der österreichischen Praxis jedenfalls ab UV-Index 5. Besonders kritisch sind die Mittagsstunden zwischen 11 und 15 Uhr sowie die Monate April bis September.
Bei der Prävention wurde die Reihenfolge „Meiden – Kleiden – Cremen“ hervorgehoben. Vorrang haben technische und organisatorische Maßnahmen wie Schatten, angepasste Arbeitszeiten und die Reduktion direkter Sonnenexposition. Persönliche Schutzausrüstung, insbesondere UV-schützende Kleidung und Kopfbedeckung, hat Vorrang vor Sonnenschutzmitteln. Cremes sollen vor allem für nicht bedeckbare Körperstellen wie Gesicht, Ohren, Lippen und Nacken eingesetzt werden.
Die freiwillige Gesundheitsüberwachung umfasst unter anderem Anamnese, Risikobewertung, Beratung sowie Basisuntersuchungen von Haut und Augen. Erfasst werden persönliche und familiäre Hautkrebsrisiken, Vorerkrankungen, photosensibilisierende Medikamente, außerberufliche UV-Expositionen und mögliche phototoxische Stoffe am Arbeitsplatz, etwa bestimmte Pflanzen oder Teerprodukte. Auffällige Haut- oder Augenbefunde sollen fachärztlich abgeklärt werden. Für UV-exponierte Beschäftigte wurde außerdem auf regelmäßige augenärztliche Vorsorge, insbesondere im Hinblick auf Katarakte, hingewiesen.
Auch Berufskrankheiten im Zusammenhang mit UV-Exposition wurden thematisiert. Alle drei Tumorentitäten (Melanom, Plattenepithelkarzinom und Basaliom) haben einen Zusammenhang mit der UV-Strahlung. Für die Anrechenbarkeit für eine Berufskrankheit benötigen wir allerdings einen linearen Zusammenhang (von Inzidenz und Expositionszeit). Dieser ist derzeit nur beim Plattenepithelkarzinom und Vorstufen gesichert. Beim Melanom dürfte es sich vor allem um Expositionen im Kindesalter und beim Basaliom um intermittierende UV-Strahlung handeln (nach derzeitigem Wissensstand). Verdachtsfälle sollen jedenfalls gemeldet werden, da eine Meldung Voraussetzung für mögliche Leistungen ist.
Abschließend wurden die Abrechnung arbeitsmedizinischer Untersuchungen über die AUVA sowie die erforderlichen Unterlagen erläutert. Voraussetzung sind eine nachvollziehbare Evaluierung der Exposition, vollständige Namenslisten, Honorarnoten und eine datenschutzkonforme Übermittlung. Betriebe sollten klare Prozesse zur UV-Index-Auswertung, Unterweisung, Vorsorgeplanung, Dokumentation und Verrechnung etablieren, um Beschäftigte wirksam zu schützen und rechtliche Anforderungen sicher zu erfüllen.
Kernaussagen
- UV-Schutz ist für viele Outdoor-Tätigkeiten ein zentraler Bestandteil der Prävention.
- Technische und organisatorische Schutzmaßnahmen sowie Textilschutz haben Vorrang vor Sonnenschutzmitteln.
- Der UV-Index unterstützt Betriebe bei Tagesplanung, Unterweisung und Maßnahmensteuerung.
- Die freiwillige Gesundheitsüberwachung dient der Risikoeinschätzung, Aufklärung und Früherkennung auffälliger Befunde.
- Für AUVA-Verrechnungen sind Evaluierung, vollständige Unterlagen und datenschutzkonforme Übermittlung wesentlich.
=> Infos & Anmeldung zu den weiteren Terminen der Fortbildung in Wien und Linz
Adrian Hörtl, MSc., Mai 2026
Im Gespräch mit unserem neuen Tutor Dr. Clemens Unruh
Mit Dr. Clemens Unruh verstärkt ein erfahrener Arbeitsmediziner unser Tutorenteam im Universitätslehrgang Arbeitsmedizin. Im Interview erzählt er, was ihn an der Arbeitsmedizin begeistert, warum er sich für die Lehre engagiert – und weshalb ihm die Ausbildung des Nachwuchses besonders am Herzen liegt.
Clemens, du bist seit vielen Jahren in der Arbeitsmedizin tätig. Was prägt deine Arbeit heute besonders?
Auch nach einigen Jahren in der Arbeitsmedizin ist mein Arbeitsalltag noch immer vor allem von einem Aspekt geprägt: der beeindruckenden Vielfalt dieses Fachgebiets. Die Arbeitsmedizin und das betriebliche Gesundheitsmanagement sind unglaublich breit und abwechslungsreich – genau das empfinde ich bis heute als besonders spannend.
Was meine Arbeit außerdem prägt, ist, dass ich immer wieder vor neuen Herausforderungen stehe. Jede Situation, jeder Betrieb und jede Fragestellung bringt neue Perspektiven mit sich. Auf diese Weise aktiv zur Gesundheit von Menschen im Arbeitsleben beitragen zu können, ist für mich eine große Motivation.
Du engagierst dich auch in der Ausbildung. Warum ist dir die Lehre wichtig?
Die Ausbildung ist mir aus mehreren Gründen wichtig. Zum einen habe ich im Laufe der Jahre immer wieder beobachtet, dass Absolventinnen und Absolventen der arbeitsmedizinischen Ausbildung später gar nicht oder nur in sehr geringem Ausmaß arbeitsmedizinisch tätig geworden sind. Das habe ich immer als sehr schade empfunden.
Ich selbst erlebe die Arbeitsmedizin als ein äußerst vielfältiges und sinnstiftendes Fach mit abwechslungsreichen Tätigkeiten und praxisnahen Möglichkeiten, einen direkten Beitrag zur Gesundheit von Menschen im Arbeitsleben zu leisten.
Im Rahmen der Ausbildung möchte ich daher gerne dazu beitragen, diese Perspektive den auszubildenden Ärztinnen und Ärzten näherzubringen und ihnen zu zeigen, welche Möglichkeiten und Chancen dieses Fachgebiet bietet.
Welche Themen unterrichtest du im Universitätslehrgang Arbeitsmedizin?
Im ULG unterrichte ich unter anderem die Themen Hitze sowie Evaluierung von Arbeitsplätzen. Dabei ist mir wichtig, dass die Inhalte praxisnah vermittelt werden und für die Kolleginnen und Kollegen direkt im Arbeitsalltag anwendbar sind.
Was möchtest du den Teilnehmer:innen besonders mitgeben?
Ein Bewusstsein dafür, welche Möglichkeiten die Arbeitsmedizin bietet, die Gesundheit von Menschen im Arbeitsleben nachhaltig zu fördern. In der arbeitsmedizinischen Tätigkeit können wir oft mit einem großen Hebel arbeiten und damit für viele Menschen gleichzeitig einen positiven Effekt erzielen.
Mir ist es daher wichtig zu zeigen, wie gute Prävention in der Praxis funktioniert.
Und ganz persönlich: Was motiviert dich an deiner Arbeit?
Neben den bereits angesprochenen Aspekten motiviert mich an meiner Arbeit besonders die große Gestaltungsfreiheit, die die Arbeitsmedizin bietet. Ich schätze es sehr, dass ich in meiner Tätigkeit oftmals selbst entscheiden kann, welche Herausforderungen ich annehme und wie intensiv ich mich mit bestimmten Fragestellungen auseinandersetze.
Gleichzeitig genieße ich auch die Selbstständigkeit, die in der Arbeitsmedizin sehr gut möglich ist. Diese Kombination aus sinnstiftender Arbeit, vielfältigen Aufgaben und einem hohen Maß an Eigenständigkeit macht meine Tätigkeit für mich persönlich besonders erfüllend.
Das Interview führte Sally Bitterl (AAMP) am 5.3.2026
AAMP erhält AUVA-Gütesiegel „sicher und gesund arbeiten“
Wir freuen uns sehr: Die AAMP - Österreichische Akademie für Arbeitsmedizin und Prävention ist nach erfolgreicher Evaluierung ab sofort mit dem AUVA-Gütesiegel „sicher und gesund arbeiten“ ausgezeichnet!
Dieses Gütesiegel steht für nachweislich umgesetzte, sichere und gesunde Arbeitsbedingungen und wird ausschließlich an Organisationen verliehen, die bereits ein hohes Niveau im Arbeitnehmer:innenschutz erreicht haben.
Was bedeutet diese Auszeichnung konkret?
Das AUVA-Gütesiegel bestätigt, dass sichere und gesunde Arbeitsbedingungen im Unternehmen nachweislich umgesetzt sind,
✅ von der Arbeitsplatzevaluierung,
✅ über Unterweisung und Qualifikation
✅ bis hin zu klaren Prozessen und Verantwortlichkeiten
✅ sowie dem professionellen Umgang mit kritischen Ereignissen.
Warum ist das wichtig?
Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit sind das Ergebnis bewusster Entscheidungen, klarer Prozesse und gelebter Präventionskultur. Das Gütesiegel macht dieses Engagement sichtbar – nach innen für unsere Mitarbeiter:innen und nach außen als Qualitätsmerkmal einer verantwortungsvollen Organisation.
Unser Anspruch
Als Akademie, die Arbeitsmediziner:innen aus- und weiterbildet, sehen wir diese Auszeichnung nicht nur als Anerkennung, sondern auch als Auftrag: Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz konsequent vorzuleben – und weiterzugeben.
Ein herzliches Dankeschön an alle Beteiligten, die diesen Weg möglich gemacht haben!
Mag. Eva Lirsch (AAMP), Februar 2026
Interview: Selbstständig in der Arbeitsmedizin – passt das zu mir?
Im Interview spricht Adrian Hörtl offen über typische Unsicherheiten, häufige Denkfehler und darüber, warum auch eine bewusste Entscheidung gegen die Selbstständigkeit ein Gewinn sein kann. Anschließend haben wir mit Finja Pfundner, der Trainerin von Teil 1 der Fortbildungsreihe „Selbstständig in der Arbeitsmedizin – Welcher Weg ist der richtige für mich?“, darüber gesprochen, was der Schritt in die Selbstständigkeit für die Praxis bedeutet.
1. Frage:
Herr Hörtl, Sie begleiten Arbeitsmediziner:innen und arbeitsmedizinische Fachdienst bei der beruflichen Orientierung.
Was beobachten Sie aktuell: Warum wird das Thema Selbstständigkeit gerade jetzt so relevant?
Ich denke nicht, dass die Frage in letzter Zeit an Relevanz zugenommen hat. In den vergangenen 25 Jahren haben sich Absolvent:inenn diese Frage immer gestellt. Was sich möglicherweise verändert hat, sind die Gründe. Heute ist die Überlegung bei einem Berufswechsel, also z.B. aus der kurativen Medizin herauszugehen, auch gleich das Beschäftigungsverhältnis zu ändern – weil man es kann. Soll heißen, der Bedarf an Arbeitsmediziner:innen ist groß. Meist spielt die Annahme eine Rolle, dass damit auch mehr Geld zu verdienen sein könnte.
2. Frage:
Viele Berufsanfänger:innen spüren Interesse an der Selbstständigkeit – gleichzeitig aber auch Zweifel.
Welche inneren Konflikte begegnen Ihnen dabei am häufigsten?
Sehr häufig höre ich Sätze wie: „Ich finde die Idee spannend, aber ich weiß nicht, ob dass das Richtige für mich ist.“
Es geht weniger um fachliche Zweifel – die meisten sind gut ausgebildet – sondern um Unsicherheiten in Bezug auf Verantwortung, wirtschaftliche Risiken, Aufwand und Vereinbarkeit mit dem Privatleben. Diese Ambivalenz ist völlig normal und ein wichtiger Ausgangspunkt für eine ehrliche Auseinandersetzung.
3. Frage:
Woran merken viele erst im Verlauf, dass sie sich bisher auf die falschen Fragen konzentriert haben?
Viele fokussieren sich sehr früh auf Fragen wie: „Wie viel kann ich verdienen?“ oder „Welche Rechtsform brauche ich?“
Im Gespräch wird dann deutlich, dass es an weiteren entscheidenden Fragen fehlt:
Wie und wieviel möchte ich arbeiten? Wie viel Sicherheit brauche ich? Welche Rolle will ich beruflich einnehmen? Was passt in meine derzeitige Lebenssituation? Also, kann ich das alles unter einen Hut bekommen? Dass es oft an diesen Fragen fehlt, ist auch an den Fluktuationen in der Arbeitsmedizin ablesbar.
Diese Klarheit fehlt oft – und genau hier setzen wir an. Wer sich vorab gut informiert, trifft auch die richtigen Entscheidungen.
4. Frage:
Frau Pfundner, Sie begleiten als Trainerin die Teilnehmer:innen in Teil 1 „Mut zur Selbstständigkeit – Ausrichtung für den unternehmerischen Weg“.
Wie unterstützen Sie die Teilnehmer:innen dabei, Klarheit über ihre eigenen Stärken, Beweggründe und nächsten Schritte zu gewinnen – auch wenn sie vielleicht feststellen, dass Selbstständigkeit nicht der richtige Weg für sie ist?
In Teil 1 starten wir mit einer Übung zur Stärkenspekulation: Die Teilnehmer:innen reflektieren ihre besonderen Kompetenzen und entwickeln daraus ihren persönlichen USP für die Selbstständigkeit – oder genauer gesagt ihren „roten Faden“ für den nächsten Karriereschritt.
Anschließend visualisieren sie ihre guten Gründe für die Selbstständigkeit: Was motiviert mich wirklich, welche Werte sind mir wichtig und welche Visionen habe ich für meine berufliche Zukunft?
Auf dieser Basis erarbeiten die Teilnehmer:innen erste realistische Schritte in Richtung Selbstständigkeit – kleine, greifbare Maßnahmen, die Sicherheit im Übergang geben.
Und ganz wichtig: Auch wenn jemand nach Teil 1 für sich feststellt, dass Selbstständigkeit aktuell nicht passt, ist der Gewinn enorm.
5. Frage:
Was gewinnen Teilnehmende nach Teil 1 – selbst dann, wenn sie sich gegen die Selbstständigkeit entscheiden?
Sie gewinnen Klarheit.
Sie haben ihre Stärken, Werte und Prioritäten klar erkannt und können diese Erkenntnisse gezielt für angestellte Tätigkeiten oder andere Karrierewege nutzen. Teil 1 sorgt also dafür, dass jede:r eine fundierte, persönliche Entscheidung treffen kann – unabhängig vom Ergebnis.
Neugierig geworden?
Teil 1 der Fortbildungsreihe „Selbstständig in der Arbeitsmedizin – Welcher Weg ist der richtige für mich?“ unterstützt Sie dabei, Ihre persönliche Ausrichtung zu klären – als fundierte Grundlage für Ihre nächsten Schritte.
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Das Interview führte Sally Bitterl (AAMP), Jänner 2026
Mobbing am Arbeitsplatz: Früherkennung und Handlungsmöglichkeiten
Laut Mobbing-Report 2024 gaben in Deutschland etwa 6,5 % der Beschäftigten an, regelmäßig gemobbt zu werden.
(Der Mobbing-Report 2024 liefert weitere Zahlen und detaillierte Analysen zur Prävalenz und zu Risikofaktoren. Die BAuA wird die notwendigen Zahlen zu Mobbing weiterhin erheben und regelmäßig berichten.).
Mobbing zeichnet sich durch wiederholte, systematische Schikanen über mindestens sechs Monate aus und kann breite gesundheitliche Einschränkungen verursachen. Arbeitsmediziner:innen und Arbeitsmedizinische Fachdienst sollten dabei besonders auf wiederkehrende psychosomatische Symptome achten, z. B.:
- Schlafstörungen
- Magen-/Darmprobleme
- Kopfschmerzen
- Nervosität
- Stressbedingte Erkrankungen
Früherkennung ist entscheidend, da Mobbing nicht nur die betroffenen Mitarbeitenden belastet, sondern auch die Leistungsfähigkeit und Stabilität des Unternehmens gefährdet. Schon geringe, wiederholte Schikanen können zu gesundheitlichen Einschränkungen, Ausfällen und hoher Belastung im Team führen.
„Im Ergebnis des Mobbinggeschehens verliert das mobbende Unternehmen fast immer gesunde, langjährig beschäftigte, sozial wie fachlich kompetente Mitarbeitende.“ (Aus den qualitativen Interviews mit Expert:innen)
Neben den direkten gesundheitlichen Folgen für Betroffene entstehen für Unternehmen weitere Belastungen, darunter Fluktuation, erhöhter Schulungsaufwand, Produktivitätseinbußen und zusätzlicher organisatorischer Aufwand.
Früherkennung – worauf achten?
Für die Früherkennung ist es entscheidend, auf Veränderungen bei der betroffenen Person, im Team und in der Organisationsstruktur zu achten:
- Person: Rückzug, weniger Beteiligung, Unsicherheit, erhöhte Fehlerangst, häufige Krankmeldungen
- Team: Eine Person wird systematisch ausgeschlossen, unterbrochen oder lächerlich gemacht; Beiträge werden übergangen, Ideen übernommen; Gespräche verstummen, wenn die Person dazukommt
- Struktur: Aufgabenentzug oder Überlastung, unklare oder wechselnde Erwartungen, Ausschluss aus Meetings oder Informationen
In manchen Fällen werden echte Sachzwänge vorgeschoben, um Mobbing oder unfaire Behandlung zu rechtfertigen. Wenn die Begründung für belastendes Verhalten ständig wiederkehrt, aber nicht für alle gilt, ist Vorsicht geboten.
Neben den direkten Anzeichen und Symptomen lohnt es sich, auch die organisatorischen und sozialen Bedingungen zu berücksichtigen, die Mobbing begünstigen können. Risikofaktoren sind z. B.: unklare Rollen, hohe Leistungsanforderungen, konfliktfördernde Führungsstile und geringe soziale Unterstützung im Team.
Handlungsmöglichkeiten
Sobald Risiken und Warnsignale erkannt werden, stellt sich die Frage, wie gezielt interveniert werden kann. Arbeitsmediziner:innen und Arbeitsmedizinische Fachdienst tragen eine Schlüsselrolle bei der Prävention:
- Früherkennung & Screening: Auf Symptome achten, Belastungen gezielt ansprechen („Wie erleben Sie die Zusammenarbeit im Team?“), wiederkehrende Muster erkennen
- Beratung & Orientierung: Mobbing als psychosoziale Belastung erklären, Frühintervention empfehlen (interne Gespräche, Moderation, externe Mediation)
- Schulungen: Arbeitsmediziner:innen können Teams zu Zivilcourage und respektvoller Kommunikation sensibilisieren. Praktische Beispiele für Kolleg:innen:
- Unterbrechen: „Lass uns sachlich bleiben.“
- Einbeziehen: „Was meinst du dazu?“
- Nachfragen unter vier Augen: „Ich habe gemerkt, dass du oft übergangen wirst – stimmt das für dich?"
- Begleiten zu Anlaufstellen bei Bedarf
Arbeitsmediziner:innen und Arbeitsmedizinische Fachdienst erkennen Mobbing früh, intervenieren sachlich und initiieren gezielte Präventionsmaßnahmen. Der Mobbing-Report 2024 liefert hierzu wertvolle Zahlen, Hinweise auf Risikofaktoren und systematische Ansätze für Prävention auf allen Ebenen. Eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Bericht kann dabei helfen, die Gesundheit der Mitarbeitenden zu schützen und organisatorische Schäden zu vermeiden.
Dr. Sally Bitterl (AAMP), Jänner 2026