Veranstaltungen:

"Der mündige Patient - Herausforderung für die Arzt-Patienten-Kommunikation"

Symposium 14. Juni 2010, Wien

Gesundheitsexperten beobachten einerseits eine Entwicklung in Richtung mündiger Patient, der die Verordnungen des Arztes nicht mehr uneingeschränkt akzeptiert und eine partnerschaftliche, empathische Form der Kommunikation einfordert. Andererseits werden Patienten durch das vermehrte Bekanntwerden von Behandlungsfehlern in den Medien immer mehr verunsichert und stehen folglich den Anordnungen des Arztes immer kritischer gegenüber.

Im Rahmen des Symposiums wurden Sichtweisen unterschiedlicher Expertengruppen zur Diskussion gestellt:

  • Was ist ein „mündiger Patient“?
  • Gibt es dieses Phänomen denn überhaupt?
  • Wie wird er in ärztliche Beratungsgespräche und Behandlungskonzepte tatsächlich einbezogen und unterstützt?
  • Welche Konsequenzen birgt diese Entwicklung zum „mündigen Patienten“ für die Arzt-Patienten-Kommunikation?

Nähere Informationen erhalten Sie im Programm

Ergebnisse & Forderungen

Unter dem Begriff „mündiger Patient“ versteht jede Interessensgruppe etwas anderes.

Da nicht nur die Gesprächsform zwischen Ärzten und Patienten, sondern auch zwischen Patienten und Gesundheitssystem verbesserungswürdig erscheint, wäre es sinnvoll, eine Erhebung durchzuführen, in der die Bedürfnisse der Patienten, der Ärzte, sowie die Erwartungen des Gesundheitssystems an Patienten untersucht werden. Eines der Ziele dieser Untersuchung ist eine klare Definition der Rolle des Patienten.
Aus der Publikumsdiskussion ging weiters die Notwendigkeit einer Patienten-Plattform zur Meinungsäußerung und Bereitstellung qualitätsgesicherter Informationen hervor.

Forderungen

  • Überprüfung der ethischen Grundeinstellung und Sozialkompetenz der angehenden Medizinstudenten vor Studienbeginn.
  • Neben entsprechender fachlicher Ausbildung müssen intensive Persönlichkeitsbildung (Individualethik) und Kommunikationsschulungen in geeigneter didaktischer Form in das Medizin-Curriculum aufgenommen werden. Dabei handelt es sich um keine Abwertung der Bedeutung der Naturwissenschaften, sondern um die Aufwertung der empathischen Beziehung zwischen angehenden Ärzten und Patienten. Die Absolvierung postpromotioneller Persönlichkeits- und Kommunikationstrainings sollte ebenfalls forciert werden.
  • Der Fachbereich Präventivmedizin muss verstärkt in das Curriculum des Medizinstudiums aufgenommen werden. Geplant ist ein postpromotioneller Lehrgang, ev. mit MSc-Abschluss „Arzt / Ärztin für Präventivmedizin“.
  • Ein weiterer wichtiger Punkt stellt der verstärkte Ausbau des setting-spezifischen Ansatzes in der Primärprävention dar. Die Bevölkerung muss dort angesprochen werden, wo sie auch tatsächlich erreicht werden kann: Kindergärten, Schulen, Betriebe, etc.. Gesundheitsberatung soll daher fachübergreifend durch entsprechend ausgebildete Ärzte (MSc) erfolgen.